2026. Ein Jahr der Rekorde

Bild des Rheins bei der Insel Werd, Stein am Rhein als Illustration für die Dürre in 2026.

Ich reflektiere die vergangenen Monate…

Hitzetage schon im April und Mai,
Dürre und Tiere, die verenden,
Wassernotstände in vielen Städten Europas,
Grundwasserpegel auf Allzeittief,
Flüsse, Seen ausgetrocknet,
Ägypten baut Gemüse mit urzeitlichem Tiefenwasser an,
Gletscherwasser reicht noch für 10 Jahre Trinkwasserversorgung in der Schweiz,
Rheinschifffahrt früh im Jahr zum Erliegen gekommen.

Kraftstoffe, Öl-, Benzin-, Diesel-Kosten explodieren, Vulkane auch, so viele Erbeben wie noch nie, erreichen auf der Richterskala Peaks über 7,7 – Magnituden genannt.

Brände, so viele und heftige weltweit, wie noch nie, auch Moore brennen, was besonders langwierig ist und sich gleichzeitig verheerend auf unsere CO2 Bilanz auswirkt.

Ich lebe in der einst wunderschönen Bodenseeregion. Einige Fotos von mir, von vor 15 Jahren zeigen schneebedeckte Gipfel der Schweizer Zentralalpen oder österreichische weisse Gipfel. In diesem Spätsommer schaffte es neben dem Matterhorn nun auch der Säntis in die Schlagzeilen, weil Permafrost taut und Abbrüche drohen oder andernorts schon Bergstürze verursacht haben.

Am 28. August erreichte unseren Ort, sowie in einer schmalen Schneise von West nach Ost im Kanton SH und in ein paar Ortschaften im Süden Baden Württembergs, eine ganz besondere „Zelle“, die hunderten Bäumen, Linden, Walnüssen, Trauerweiden und ganzen Streuobstwiesen das Leben raubte. Das Ausmass dieser Verwüstung ist mit Worten nicht zu beschreiben. Dauer 4 Minuten. Downburst heisst dieses Wetterphänomen und es ist die Hölle auf Erden. Unberechenbare Auf und Abwinde, sogenannte Rotoren, reissen mit über 200 km/h an allem und zusammen mit Wasser bzw. Hagel und den Steinen, die mitfliegen, zerschiessen sie einfach alle Blätter, brechen gewaltige Kronen und entwurzeln.

Ich war im Haus und es war minutenlang so tosend laut, so schwarz und so gewaltig, dass ich dachte, die Wände oder Fenster brechen, was beim Nachbarn auch durch umherfleigende Äste geschah. In unserem Dorf hat sich das Bild verändert. Wo einst schattende, Lebensraum spendenende, duftende und voller Insekten summende Linden majestätisch grüssten, ob auf dem Friedhof oder vor der Kirche – über sieben Generationen hinweg – stehen nun traurig zerschlissene und um ihr Überleben kämpfende Wesen. Mir blutet das Herz. Entlang des Flüsschens Biber, die von Thayngen, über Buch nach Ramsen fliesst, stehen 23 Grossbäume weniger. Ich habe die abgesägten Stümpfe gezählt und viel Äste und andere Baumkronen mehr wurden abgerissen.

Heute, am 09.09. 2026 gibt es einen neuen Rekord in der Schweiz, seit Anbeginn der Wetteraufzeichungen. Einen Blitzrekord. In der letzten Nacht, am 08.09.26 gegen 22:00 Uhr war es quasi taghell, denn im Sekundentakt erhellten Blitze den Nachthimmel. Wind und Regen peitschten mit hoher Geschwindigk und Lautstärke.

All das nennt sich Wetter. Klingt angenehm harmlos und erinnert mich an früher.

Die vielen Kriege weltweit, der Rekord der niedrigsten, jemals im Rahmen von Pisa gemessenen Ergebnisse in Deutschland und den Verlust der deutschen Sprache sowie das Rekordhoch bei Buchungen von Kreuzfahrten seien hier nur kurz erwähnt.

Auf Linekdin gibt es eine Videosammlung, die als kostenfreier Kongress beworben wird. Kongress!?

Wasser ist knapp. Dann machen wir halt Schampus auf, oder?

Was mich antreibt, diese Zeilen zu schreiben? Klarheit. Denn weder Lügen noch Trostpflaster können kompensieren, was jetzt geschieht. Ich bin nicht depressiv. Ich bin müde von diesen Rekorden und weiss, es wird 2027 noch härter kommen.

Herzgrüsse
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